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Hilfreiches für die Qualitätsarbeit 9 (25.03.2026)

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Kollegiale Hospitation – die Kür der Unterrichtsentwicklung

Ein Beitrag der Qualitäts-Regionalkoordinatorinnen für das Burgenland (Sylvia Pawle und Petra Weinhäusel). 

„Kollegiale Hospitation ist die Kür der Unterrichtsentwicklung!“ Mit diesen Worten beschreibt die Leiterin der Volksschule Jabing ihre Erfahrungen im Interview für die QMS-Post. Gemeinsam mit drei weiteren Kleinschulen im Südburgenland machte sie sich bereits vor rund zehn Jahren auf den Weg, Unterricht bewusster wahrzunehmen und – im Sinne von John Hattie – Lernen sichtbar zu machen. Der Schlüssel dazu liegt in der gemeinsamen Reflexion von Unterricht auf Basis professionellen Feedbacks.

Kollegiale Hospitation versteht Unterricht nicht als individuelle Einzelleistung, sondern als gemeinsame professionelle Aufgabe. Lehrpersonen öffnen ihren Unterricht, beobachten Lernprozesse von Schüler:innen und reflektieren pädagogische Entscheidungen gemeinsam. So entsteht Unterrichtsqualität durch systematische Zusammenarbeit im Kollegium.

Abbildung 1: „Kollegiale Hospitation – Prozessübersicht“, eigene Abbildung


Die Grafik „Kollegiale Hospitation – Prozessübersicht“ zeigt den typischen Ablauf kollegialer Unterrichtsbesuche als strukturierten Entwicklungsprozess.

Zunächst legen Lehrpersonen gemeinsam Jahresthemen und Termine fest (Planung) und bereiten die Hospitation vor. Danach folgt die Unterrichtsbeobachtung, bei der Kolleg:innen im Tandem oder Kleinteam eine Unterrichtsstunde besuchen und den Fokus auf die Lernprozesse der Schüler:innen richten.

Im nächsten Schritt werden Beobachtungen in Form von Textvignetten bzw. standardisierten Fragebögen festgehalten, also möglichst wertfrei und konkret beschrieben. Anschließend findet ein strukturiertes Feedbackgespräch statt, in dem Selbstreflexion der Lehrperson und kollegiale Rückmeldung zusammenkommen.

Den Abschluss bilden Reflexion und Maßnahmen: Aus den Beobachtungen werden Entwicklungsimpulse und konkrete Schritte für die Weiterentwicklung des Unterrichts abgeleitet. Ziel des gesamten Prozesses ist eine nachhaltige Unterrichtsentwicklung durch professionelle Zusammenarbeit im Kollegium.


Praxisbeispiel: Lernverbund südburgenländischer Volksschulen

Foto von VS Lernverbund

Abbildung 2: Foto vom VS Lernverbund

Die Volksschulen Markt Allhau, Jabing, Unterschützen und Stadtschlaining arbeiten seit rund zehn Jahren in einem schulübergreifenden Lernverbund zusammen. Kollegiale Hospitation ist dort fest im Schulentwicklungsplan verankert.

Der Prozess begann mit gegenseitigen Unterrichtsbesuchen der Schulleitungen und wurde schrittweise auf die gesamten Kollegien ausgeweitet. Fortbildungen zu Beobachtung und Feedback sowie regelmäßige Supervision unterstützten die Professionalisierung.

Im Zentrum steht ein lernseitiger Blick: Beobachtet wird vor allem das Lernen der Schüler:innen. Grundlage der Reflexion bilden sogenannte Textvignetten – kurze, wertfreie Beschreibungen beobachteter Unterrichtssituationen. Aus kleinen Kollegien entwickelte sich so ein schulübergreifendes Team mit gemeinsamem Qualitätsverständnis.


Praxisbeispiel: Pannoneum Neusiedl

Auch an den Wirtschafts- und Tourismusschulen Pannoneum in Neusiedl am See sind kollegiale Hospitationen seit drei Jahren ein fixer Bestandteil der Schul- und Unterrichtsentwicklung. Ausgangspunkt war das Ziel, die professionelle Zusammenarbeit im Kollegium im Rahmen des Schulentwicklungsplans gezielt zu intensivieren und Unterrichtsqualität nachhaltig weiterzuentwickeln.

Die Hospitationen finden verbindlich einmal pro Schuljahr im Wintersemester statt. Durch diese klare zeitliche Verankerung wurden sie rasch zu einem selbstverständlichen Element professioneller Praxis.

Foto von Pannoneum

Abbildung 3: Foto von Pannoneum

Die Hospitationen finden verbindlich einmal pro Schuljahr im Wintersemester statt. Durch diese klare zeitliche Verankerung wurden sie rasch zu einem selbstverständlichen Element professioneller Praxis.

Die Einführung erfolgte schrittweise: Zu Beginn konnten Lehrpersonen ihre Hospitationspartner:innen frei wählen, um Vertrauen und Sicherheit aufzubauen. Im zweiten Jahr standen fachdidaktische Fragestellungen im Fokus durch Hospitationen innerhalb desselben Unterrichtsfaches. Im dritten Jahr wurde der Blick bewusst erweitert – durch fachfremde und generationenübergreifende Tandems sowie durch Beobachtungen in gemeinsam unterrichteten Klassen. Dadurch rückten verstärkt überfachliche Aspekte wie Lernaktivierung, Klassenführung und Lernklima in den Mittelpunkt.

Grundlage bildet ein Beobachtungsbogen, der zentrale Qualitätsmerkmale von Unterricht sichtbar macht. Entscheidend ist dabei der Verzicht auf Bewertung zugunsten einer wertschätzenden, sachlichen Beobachtung. In strukturierten Feedbackgesprächen werden Selbstreflexion, kollegiale Rückmeldung und gemeinsame Entwicklungsimpulse verbunden. Ziel ist nicht die Verbesserung einzelner Stunden, sondern die langfristige Weiterentwicklung professionellen Handelns.

Aufgrund der positiven Erfahrungen wurde die kollegiale Hospitation im Schulentwicklungsplan 2.0 dauerhaft verankert und bleibt ein wesentliches Instrument zur Stärkung professioneller Zusammenarbeit am Standort.

Stufenmodell kollegialer Hospitation - Pannoneum

Abbildung 4: Stufenmodell kollegialer Hospitation - Pannoneum, eigene Abbildung


Was aus den Praxisbeispielen gelernt werden kann

Die Erfahrungen der beteiligten Schulen zeigen, unter welchen Bedingungen kollegiale Hospitation besonders wirksam ist: klare organisatorische Rahmenbedingungen, eine wertschätzende Feedbackkultur und ausreichend Zeit für gemeinsame Reflexion.

Entscheidend ist eine strukturierte Durchführung mit klaren Beobachtungsschwerpunkten und einem anschließenden Feedbackgespräch. Wird Hospitation schrittweise eingeführt und als gemeinsamer Lernprozess verstanden, kann sie zu einem nachhaltigen Instrument der Unterrichts- und Schulentwicklung werden.

So gelingt kollegiale Hospitation

Organisation

  • gemeinsamer Start mit Jahresthema und Terminplanung
  • Hospitation in Tandems oder Kleinteams
  • eine Hospitation und eine Beobachtung pro Semester
  • eine Unterrichtseinheit mit anschließendem Feedbackgespräch
  • jährlicher Wechsel der Partner:innen
  • gemeinsame Jahresreflexion

    Fokus und Feedback

    • lernseitige Beobachtung von Schüler:innenaktivität und Lernprozessen
    • wertfreie Beschreibung statt Bewertung
    • strukturierte Feedbackgespräche

      Erfolgsfaktoren

      • Verankerung im Schulentwicklungsplan
      • Qualifizierung in Beobachtung und Feedback
      • vertrauensvolle Feedbackkultur
      • gemeinsame Entwicklungsschwerpunkte
      • externe Begleitung

        Herausforderungen

        • organisatorischer Aufwand
        • anfängliche Unsicherheit durch Öffnung des Unterrichts
        • notwendiger Vertrauensaufbau im Kollegium

        Tipps für Schulen, die starten möchten

        • freiwillig beginnen und Vertrauen aufbauen
        • klare Beobachtungsschwerpunkte vereinbaren
        • Feedbackkompetenz gezielt entwickeln
        • feste Zeitfenster im Jahresplan verankern
        • Erfahrungen gemeinsam reflektieren
        • Hospitation im Schulentwicklungsplan vernkern

        Wirkung kollegialer Hospitation

        Die beteiligten Schulen berichten übereinstimmend von deutlichen Effekten: Lehrpersonen entwickeln eine stärkere Sensibilität für Lernprozesse und reflektieren eigene Routinen bewusster. Unterricht wird weniger als individuelle Aufgabe, sondern stärker als gemeinsame professionelle Praxis erlebt. Das häufig empfundene „Einzelkämpfertum“ wird reduziert, Zusammenarbeit gestärkt und Unterrichtsqualität nachhaltig weiterentwickelt.

        Entscheidend ist dabei ein gemeinsames Verständnis: Kollegiale Hospitation ist keine Kontrolle, sondern ein professioneller Lernprozess – und damit ein wirkungsvoller Weg nachhaltiger Unterrichtsentwicklung.


        Fazit

        Kollegiale Hospitation eröffnet Lehrpersonen die Möglichkeit, Unterricht gemeinsam zu reflektieren und voneinander zu lernen. Entscheidend für das Gelingen sind klare Rahmenbedingungen, eine vertrauensvolle Feedbackkultur und die Verankerung im Schulentwicklungsprozess. So wird Hospitation zu einem nachhaltigen Instrument der Unterrichts- und Qualitätsentwicklung und kann zu einem festen Bestandteil einer lernenden Schule werden.


        Materialien und Instrumente / weiterführende Links:


        Autor/innen:

        Sylvia Pawle und Petra Weinhäusel (Q-RK für das Burgenland)

        Bei Fragen stehen Sylvia Pawle (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.) und Petra Weinhäusel (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.) gerne zur Verfügung!

        Letzte Aktualisierung: 19.03.2026