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Schulentwicklung mit iKMPLUS

QMS 2.0 mit Fragezeichen

michaela jonach

Die individuelle Kompetenzmessung PLUS (iKMPLUS) ist ein Instrument zur standardisierten Erfassung der Grundkompetenzen von Schülerinnen und Schülern. Die iKMPLUS liefert auf unterschiedlichen Ebenen verlässliche Daten und Indikatoren für eine evidenzinformierte Unterrichtsentwicklung, so etwa für die Förderdiagnostik gleichzeitig aber auch für die gezielte Schul- und Systementwicklung.

iKMPLUS Logo

In der Ausgabe 7 vom 30. September 2025 haben wir mit Julia Walter, MA, operative Projektleitung der iKMPLUS im Bundesministerium für Bildung, Abteilung III/4 – Bildungsstatistik und -monitoring – über die Unterrichtsentwicklung im Zusammenhang mit der iKMPLUS gesprochen. Nun, nach der kürzlich erfolgten, erstmaligen Veröffentlichung der dreijährlichen Ergebnisse der iKMPLUS auf der Primarstufe für den 1. Zyklus (2023-2025), möchten wir die Perspektive auf die Schulpraxis richten und erfahren, wie sich Schulentwicklung vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse gestaltet. In einem Interview haben wir Julia Walter, MA, erneut befragt.


Frau Walter, seit 10. März 2026 liegen nun erstmalig die iKMPLUS-Ergebnisse aus drei Jahren iKMPLUS auf der Primarstufe vor, im Herbst werden die Ergebnisse auf der Sekundarstufe I folgen.

1. Welchen Nutzen haben diese dreijährlichen Ergebnisse für Schulleitungen und SQM? Wie genau kann die iKMPLUS für die Schulentwicklung verwendet werden?

Im Unterschied zu den jährlich erhobenen iKMPLUS-Daten, die in erster Linie den Schülerinnen und Schülern sowie deren Erziehungsberechtigten, den Lehrpersonen aber auch der Schulleitung zur individuellen Förderung und zur Unterrichtsentwicklung dienen, bieten die nun vorliegenden dreijährlichen iKMPLUS-Ergebnisse eine wesentlich aussagekräftigere Datengrundlage über die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in zentralen Unterrichtsfächern an einem Schulstandort.

Die dreijährlichen Ergebnisse aggregieren die Resultate aus drei Jahrgängen, also aus drei aufeinanderfolgenden Kohorten. Dadurch werden spezifische Besonderheiten einzelner Jahrgänge, die sogenannten Kohorteneffekte, weitgehend ausgeglichen. Ergänzend stellt das Konzept der iKMPLUS durch die verpflichtende Erhebung in allen Modulen und den Einsatz einer Vielzahl unterschiedlicher Aufgaben über die drei Jahre eines Zyklus hinweg sicher, dass ein breites Spektrum wesentlicher Themen und Fähigkeiten, die sogenannte Konstruktabdeckung, abgebildet wird. Damit bieten die dreijährlichen iKMPLUS-Ergebnisse erstmals seit den Bildungsstandardüberprüfungen wieder eine solide, vergleichbare Datengrundlage für die Beschreibung von Schülerkompetenzen sowohl an den einzelnen Schulstandorten als auch in der jeweiligen Bildungsregion sowie im Bundesland. Neu ist zudem die Möglichkeit für Schulen, die eigenen Ergebnisse im Kontext anderer Schulen mit ähnlicher sozioökonomischer Ausgangslage, also innerhalb der gleichen SÖL-Kategorie, zu betrachten.

Wesentlich zu beachten ist allerdings, dass die iKMPLUS-Ergebnisse zwar aufzeigen, wie gut Schülerinnen und Schüler die Bildungsstandards erreichen, nicht jedoch, worin die Ursachen für diese Ergebnisse liegen. Dazu benötigt es ergänzende schulische Daten – beispielsweise aus der internen oder externen Schulevaluation oder aus dem Schuldatenblatt. Entscheidend ist daher, die iKMPLUS-Ergebnisse stets in den Gesamtkontext, in das sogenannte „Bigger Picture“, der Schule einzubetten. Nur so lassen sich daraus aussagekräftige Impulse für die gezielte Schul- und Unterrichtsentwicklung gewinnen.

Abbildung: Das Bigger Picture der datengestützten Schul- und Unterrichtsentwicklung

Abb. 1: Das Bigger Picture der datengestützten Schul- und Unterrichtsentwicklung


2. Wie und wo erhalten Schulen Unterstützung bei der Interpretation, Analyse und Nutzung der dreijährlichen Daten?

Wie die Daten letztlich genutzt werden können und welche Unterstützung Schulleitungen hierbei erhalten, verdeutlicht ebenfalls das „Bigger Picture“. Das IQS stellt im Zuge der Verteilung der 3-Jahres-Schulrückmeldungen Begleitmaterialien bereit, welche die Schulleitungen beim Lesen und Interpretieren dieser Rückmeldungen unterstützen sollen. Ergänzend dazu wurde, in Kooperation mit dem Bundesministerium für Bildung, eine eigene Online-Schulung (MOOC) speziell für Schulleitungen entwickelt. Ziel dieser Online-Fortbildung ist es, Schulleitungen gezielt in der Interpretation und Reflexion der dreijährlichen iKMPLUS-Ergebnisse zu stärken. Konkret beinhaltet die Schulung umfassende Foliensätze und erläuternde Videos, in denen sowohl die Zielsetzungen der Rückmeldungen als auch konkrete Hinweise zur Interpretation der Ergebnisgrafiken praxisnah vermittelt werden. Darüber hinaus liefert die Schulung Anregungen und Impulse, wie mit den Rückmeldungen konkret an den jeweiligen Schulstandorten gearbeitet werden kann.

Die Nutzung der dreijährlichen iKMPLUS-Ergebnisse ist, wie auch das Bigger Picture zeigt, im Qualitätskreislauf der Schulen verankert. Schulleitungen sichten und interpretieren die Ergebnisse, leiten daraus Schlussfolgerungen ab und planen auf dieser Grundlage gezielte schulische Entwicklungsmaßnahmen. Nach der Umsetzung werden die Maßnahmen überprüft und die daraus gewonnenen Erkenntnisse erneut in den Entwicklungsprozess eingebracht. Die Schulaufsicht begleitet und unterstützt die Schulleitungen insbesondere beim Interpretieren und Reflektieren der Ergebnisse. Dies erfolgt unter anderem im Rahmen der Bilanz- und Zielvereinbarungsgespräche, in denen gemeinsam weitere Schritte zur Schulentwicklung abgeleitet werden.

Insgesamt bietet dieses Zusammenspiel aus fundierten Datengrundlagen, unterstützenden Materialien und gezielten Fortbildungsangeboten eine wertvolle Grundlage, um datenbasierte Schulentwicklungsprozesse zu begleiten und zu fördern.


3. Zum Abschluss: Zu letztem Mal als wir diese Frage gestellt haben, ist rund ein halbes Jahr vergangen. Haben sich seither neue Entwicklungsfelder für die Zukunft der iKMPLUS ergeben?

Mit dem Vorliegen der dreijährlichen iKMPLUS-Ergebnisse ist der erste Erhebungszyklus auf der 4. Schulstufe nun abgeschlossen. Wie wir aber gerne betonen: Nach der iKMPLUS ist vor der iKMPLUS. Bereits im Sommersemester 2026 startet der zweite Zyklus der Erhebung, während auf der Sekundarstufe I der neue Zyklus im Wintersemester 2026, nach Veröffentlichung der dreijährlichen Ergebnisse im Herbst, beginnt. Die bewährten Prozesse und der Ablauf rund um die iKMPLUS bleiben weiterhin unverändert.

Gleichzeitig gibt es Neuigkeiten aus der Initiative „Freiraum Schule“ des Bundesministeriums für Bildung. Auf Basis der dort gewonnenen Erkenntnisse werden erste Entlastungsmaßnahmen für Schulen in Bezug auf die iKMPLUS umgesetzt. Dazu zählen etwa die Verschlankung des freiwilligen Modulangebots sowie die automationsgestützte Bereitstellung von diagnostikbasierten Fördermaterialien. Auf diese Weise soll die iKMPLUS auch in Zukunft, bei gleichbleibendem Nutzen für die Schulen, noch effizienter und ressourcenschonender gestaltet werden.

Danke für das Interview!


letzte Aktualisierung: 19.03.2026