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Hilfreiches für die Qualitätsarbeit 10 (10.06.2026)

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Gemeinsam Schule gestalten - Partizipationsanlässe nachhaltig im Q-Kreislauf verankern  

Ein Beitrag der Qualitäts-Regionalkoordinator:innen für die Steiermark (Sabine Rieser und Patrick Schlatte). 

Im Qualitätsmanagement für Schulen (QMS) ist Partizipation ein zentraler Faktor nachhaltiger Schulentwicklung. Schule wird dabei als lernende Organisation verstanden, deren Qualitätsentwicklung die aktive Einbindung aller Beteiligten, insbesondere von Lehrpersonen, Schüler:innen, Erziehungsberechtigte und Schulleitung, voraussetzt. Partizipation ermöglicht, unterschiedliche Perspektiven in Schulentwicklungsprozesse einzubringen und gemeinsame Verantwortung zu übernehmen. Am Beispiel des Schulentwicklungsplans 2.0 wird deutlich, dass Schulentwicklung nicht als rein administrativer, sondern als kooperativer Prozess verstanden werden muss, der auf Dialog, Reflexion und Mitgestaltung basiert. Partizipative Prozesse fördern transparente Entwicklungsziele, erhöhen die Akzeptanz und stärken die Identifikation mit schulischen Maßnahmen. Die folgende Abbildung visualisiert verschiedene Partizipationsanlässe innerhalb des Qualitätskreislaufs:

Abbildung 1: "Partizipationsanlässe im Q-Kreislauf"; eigene Abbildung angelehnt an den Q-Kreislauf


Akteur:innen im QMS und ihre Einbettung in schulische Transformationsprozesse 

In den Aufgabenprofilen (https://www.qms.at/ueber-qms/akteurinnen-und-akteure) wird Partizipation als grundlegendes Prinzip von Schulentwicklung verstanden. Qualitätsentwicklung wird dabei nicht allein als Aufgabe der Schulleitung gesehen, sondern als gemeinsamer Prozess aller schulischen Akteur:innen. 

Im Aufgabenprofil für Schulleitungen wird Partizipation insbesondere im Qualitätsbereich „Führen und Leiten“ hervorgehoben. Die Schulleitung soll „transparente Beteiligungs- und Entscheidungsprozesse“ schaffen, Führungsaufgaben delegieren und eine qualitätsorientierte Schulkultur fördern. Entwicklungsprozesse sollen dialogisch, kooperativ und unter Einbindung unterschiedlicher Perspektiven gestaltet werden. Obwohl die Schulleitung die Letztverantwortung trägt, soll sie Beteiligung ermöglichen und professionelle Zusammenarbeit fördern. Auch das QMS-Aufgabenprofil der Lehrenden und Lehrenden-Teams betont die aktive Mitwirkung an Qualitätsentwicklung und Schulentwicklungsprojekten. Austausch, Teamarbeit und Reflexion werden dabei als zentrale Elemente professioneller Zusammenarbeit verstanden. Für Qualitäts-Schulkoordinator:innen (Q-SK) ist Partizipation besonders wichtig. Sie unterstützen die Schulleitung in der Umsetzung sowie Lehrende dabei, sich „aktiv an der Qualitätsentwicklung und -sicherung der Schule zu beteiligen“.

Obwohl Q-SK keine formale Führungsverantwortung tragen, übernehmen sie eine wichtige informierende, prozessbegleitende und vernetzende Rolle im Q-Kreislauf. Konkret unterstützen sie partizipative Schulentwicklung, indem sie Beteiligungsformate initiieren, Feedbackprozesse strukturieren, Reflexionsrunden moderieren oder unterschiedliche Perspektiven im Schulentwicklungsprozess zusammenführen. Gemäß der in Abbildung 1 dargestellten Partizipationsanlässe, liegt die Rolle der Q-SK aus unserer Sicht dabei weniger im Steuern „von oben“, sondern im Ermöglichen, Vernetzen und Strukturieren partizipativer Schulentwicklung:

Beim Planen schaffen Q-SKs Beteiligungsräume, etwa durch die Organisation von Befragungen, Feedbackformaten oder Diskussionsforen mit Schüler:innen, Lehrpersonen, Eltern und Schulpartner:innen. Sie bündeln Perspektiven und bereiten diese für Entscheidungsprozesse auf. Beim Durchführen unterstützen sie transparente Kommunikation, begleiten Arbeitsgruppen und fördern den Austausch innerhalb der Schulgemeinschaft. Beim Überprüfen koordinieren Q-SKs Feedback- und Evaluationsprozesse, moderieren Reflexionsrunden und machen Entwicklungen sichtbar, ohne selbst hierarchisch zu steuern. Beim Schlussfolgern bereiten sie Ergebnisse auf, regen gemeinsame Reflexion an und unterstützen die Überführung von Erkenntnissen in neue Entwicklungsziele.


Praxisnahe Überlegungen zur weiteren Umsetzung am Beispiel der Elternarbeit 

In der Podcastfolge “#105 - Schule durch Partizipation gestalten – ein Gespräch mit Micha Pallesche” beschreibt Micha Pallesche, Schulleiter der Ernst-Reuter-Schule Karlsruhe, Partizipation als zentralen Faktor nachhaltiger Schulentwicklung. Beteiligung reduziert Widerstände, stärkt Identifikation und erhöht die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Dabei reicht symbolische Beteiligung nicht aus; Menschen, die von Entscheidungen betroffen sind, müssen an Lösungsprozessen mitwirken können. In Anlehnung an Ashby’s Law [1] betont Pallesche, dass komplexe schulische Fragestellungen vielfältige Perspektiven und partizipative Lösungsansätze erfordern. Zeitgemäße Schulentwicklung braucht daher heterogene Gruppen und multiperspektivische Zugänge. Klassische, primär informativ ausgerichtete Beteiligungsformate, wie etwa traditionelle Elternabende, sollten kritisch hinterfragt und durch offene Dialogräume, Workshops oder niederschwellige Austauschmöglichkeiten ergänzt werden. Besonders wirkungsvoll erscheinen Formate, in denen Lernende, Eltern, Lehrpersonen und weitere Personen aus dem schulischen Umfeld gemeinsam an Entwicklungsfragen arbeiten. Als Beispiele nennt Pallesche sogenannte „Rote Salon“-Formate oder „Ideenpoolpartys“, die unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen und gemeinsame Lösungsfindung fördern.

Im Sinne der Umsetzung des SEP-Ziels „Schulautonomie leben/Potenziale erkennen und fördern“ versteht das BG/BRG Knittelfeld Partizipation als gelebte demokratische Mitgestaltung: Durch die aktive Einbindung von Lehrpersonen, Schüler:innen, Eltern, Absolvent:innen und Expert:innen aus der Wirtschaft werden neue Raum- und Zeitkonzepte sowie eine Neuausrichtung der schulischen Schwerpunktsetzungen gemeinsam gedacht, diskutiert und entwickelt. Ein durch Abstimmung legitimiertes Kernteam für dieses SEP-Ziel, die Befragungen unterschiedlicher Beteiligter in enger Zusammenarbeit mit der Schüler:innenvertretung sowie die laufende Rückkoppelung der gewonnen Erkenntnisse an die befragten Akteur:innen, schaffen dabei die Grundlage für transparente Entscheidungsprozesse und eine gemeinsame schulische Weiterentwicklung. Auch an der MS Gamlitz werden Austauschgremien mit Erziehungsberechtigten genutzt, um Perspektiven zu schulautonomen Schwerpunktsetzungen einzuholen. Elternvertreter:innen aller Schulstufen sammeln dazu im Vorfeld Rückmeldungen aus den Klassen und bringen diese in gemeinsame Diskussionsrunden ein. Dadurch werden Stärken sowie mögliche Entwicklungs- und Handlungsfelder sichtbar gemacht. Die Rückmeldungen fließen anschließend in Reflexions- und Entwicklungsprozesse im Rahmen des SEP 2.0 ein. Die Elterngremien wurden im SJ 25/26 erstmals durchgeführt und von allen Beteiligten sehr positiv wahrgenommen. Ergänzend dazu wurden Elternsprechstunden mit der Schulleitung eingeführt. Eltern haben dadurch die Möglichkeit, ihre Anliegen direkt mit der Schulleitung zu besprechen. Dieser direkte Austausch ermöglicht raschere Klärungen, stärkt Transparenz und fördert eine unmittelbare Beteiligung an schulischen Entwicklungsprozessen.

[1] vgl. Pruckner 2017, online. 

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob künftig auch ein eigenes Aufgabenprofil für Elternvertreter:innen angedacht werden sollte. Elternvertreter:innen übernehmen im Qualitätsentwicklungsprozess eine wichtige vermittelnde Rolle: Durch ihre Beteiligung in Gremien, Gesprächen und schulischen Kommunikationsprozessen bringen sie außerschulische Perspektiven ein, unterstützen eine dialogische Schulentwicklung und stärken die gemeinsame Verantwortung für gelingende Bildungsprozesse. 


Abbildung 2: Partizipation in der Schulgemeinschaft; eigene Abbildung

Unsere Visualisierung greift dabei die Ausführungen Baroutsis, McGregors und Mills (2016) auf, die “ownership”, sprich die (Mit-)Eigentümerschaft an einer Idee, als wesentliches Element von Partizipation postulieren[1]. Partizipation im Rahmen schulischer Qualitätsentwicklung bedeutet daher mehr als punktuelle Mitsprache oder das Einholen von Feedback. Nachhaltige Schulentwicklung braucht Strukturen, die Beteiligung ermöglichen und unterschiedliche Perspektiven aktiv in Entwicklungsprozesse integrieren. Besonders in komplexen Transformationsprozessen zeigt sich, dass Schulentwicklung nicht ausschließlich hierarchisch gesteuert werden kann.

[1] vgl. Baroutsis, McGregor, Mills, 2016, online 

Vor diesem Hintergrund lassen sich aus unserer Sicht vier zentrale „takeaways“ für partizipative Schulentwicklung formulieren: 

  1. Partizipation braucht Ambiguitätskompetenz
  2. Partizipation braucht Verbindlichkeit
  3. Partizipation braucht Zeit
  4. Partizipation und Haltungsänderungen bedingen sich gegenseitig

Partizipative Schulentwicklung erfordert Offenheit für Mehrdeutigkeit, Vertrauen in gemeinsame Prozesse und den konstruktiven Umgang mit Unsicherheit. Dafür braucht es mehr als einzelne Methoden oder Formate: Entscheidend ist eine langfristige Kultur- und Haltungsänderung innerhalb und außerhalb der Schule – insbesondere im Hinblick auf Transparenz, Steuerung und Verantwortung. Solche Veränderungen entstehen schrittweise und benötigen Zeit. Besonders engagierte Personen können neue Beteiligungsformen sichtbar machen und weitere Menschen zur Mitwirkung motivieren. Q-SK verstehen sich dabei als Raumgeber:innen, die Beteiligung ermöglichen und Entwicklungsprozesse begleiten. Gemäß ihrer etymologischen Bedeutung (lat. participare = teilhaben, Anteil nehmen), kann partizipative Schulentwicklung jedoch erst dann vollends gelingen, wenn Lernende, Lehrkräfte und weitere Akteur:innen diesen Raum aktiv nutzen und zur Mitgestaltung bereit sind. Entscheidend ist dabei letztlich, dass Partizipation nicht bei Diskussionen stehen bleibt, sondern in verbindliche Umsetzung übergeht (siehe dazu auch Projektplan in der Vorlage für SEP 2.0 sowie diverse Handreichungen zum Projektmanagement - https://www.qms.at/q-news/handreichung-zum-projektmanagement-in-qms-jetzt-beim-sep).


Weiterführende Literatur und hilfreiche Materialien


Quellen 

Baroutsis, A., McGregor, G. & Mills, M. (2016). “Pedagogic voice: student voice in teaching and engagement pedagogies”. In: Pedagogy Culture and Society 24(1), pp. 123–140. Verfügbar unter: Pedagogic voice: student voice in teaching and engagement pedagogies: Pedagogy, Culture & Society: Vol 24 , No 1 - Get Access (Zugriff: 20.05.2026) 

Pruckner, Maria (2017): „Management im Kopf: Ashbys Gesetz – Komplexität meistern”. In: Die Presse, 23.11.2017. Online verfügbar unter: Die Presse – Ashbys Gesetz (Zugriff: 13.05.2026) 

school should be (2026): „#105 – Schule durch Partizipation gestalten – ein Gespräch mit Micha Pallesche”. Podcastfolge auf Spotify. Verfügbar unter: https://open.spotify.com/episode/5mcwqF098EhNG4hvlzJMpk (Zugriff: 13.05.2026).  


Autor/innen:

Sabine Rieser und Patrick Schlatte (Q-RK für die Steiermark)

Bei Fragen stehen Sabine Rieser (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.) und Patrick Schlatte (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.) gerne zur Verfügung!

Letzte Aktualisierung: 05.06.2026